
„Der Hörer fiel auf die Gabel, wie ein Riegel einrastete in einem Schloss, zu dem es keinen Schlüssel gab.”
–Aus: “Der Anruf” von Thilo Mutter
Wenn uns in der Kälte der Zeit etwas wärmen kann, dann sind es Geschichten, die Türen in uns selbst aufmachen und uns den Zugang zu Ungewohntem, Unerwartetem, Ungelesenem verschaffen.
Genau das gelingt der Debütveröffentlichung des blutjungen Verlages WORTPALAST aus Berlin.
Fünf Autor·innen laden ein zu Einblicken in fantasievolle Momente, und sie geben ein Versprechen ab: Nicht alles in diesem Buch will verstanden, sondern oftmals vor allem gefühlt werden:
Wenn Marienkäfer darüber nachdenken, ob sie wohl den Herd ausgeschaltet haben, unbenannte Tiere sich über die Fähigkeiten von Menschen austauschen, To do-Listen beim Abarbeiten immer länger, oder Gegensprechanlagen zu Gefühlstransmittern werden, dann sind Sie mittendrin in einer wundersamen Welt, von der Sie mit jeder gelesenen Seite mehr wollen.
„Er setzte die Striche furchtlos, obwohl er eigentlich tiefe Furcht empfand bei dem Gedanken, dass es am Ende keinen Sinn ergeben könnte, Striche aneinander zu fügen. Denn es war eben diese Furcht, die er darstellen wollte.”
– Aus: “Furcht” von Thomas Stefflbauer
Zu den Autor·innen
Franz Ratte
Die schönsten Seiten der Irrwitzigkeit. Die einfühlsamsten Momente von Radikalität. Die Unendlichkeit von Augenblicken. All das fängt Franz Ratte (Pseudonym) in seinen Kurz- und Kürzestgeschichten ein. Seit Jahrzehnten in Deutschland hat Ratte seine sprachliche Herkunft im Russischen, schreibt auch auf Russisch und übersetzt dann ins Deutsche – vielleicht das Geheimnis hinter der Urgewalt seiner Wörterkunstwerke? Ein Roman von Ratte? Wir sind uns sicher, dass er überraschen wird – womit, werden wir sehen …
Angela Rieger
Ihre Texte sind eine wunderbare Mischung aus Romantik, Melancholie und Bedeutungstiefe, die einen durch dunkle Momente, aber auch an schönen Tagen begleiten wie gute alte Freunde, die vertraut und doch immer wieder erfrischend anders sind. Von Poesie bis Prosa zeigt Rieger ihre Stärke im Feingefühl fürs richtige Wort am richtigen Platz – um ihren Leser·innen unvermittelt eine warme Welle des Wohlbefindens zu schenken. Schon bald gibt’s “La Rieger” auch als Roman, der noch in 2023 beim WORTPALAST erscheinen wird.
Thomas Stefflbauer
Abgründigkeit at its best. Der gebürtige Österreicher hat Jahrzehnte in den USA gelebt. Diese Mischung an kulturellen Lebenserfahrungen fließt eins zu eins in seine Geschichten und seine bald erscheinenden beiden Romane ein. Verstörendes als Betörendes zu lesen, war noch nie so schön und so gruselig zugleich wie bei den Stefflbauer Zeilen.
Sepp Baumeister
Den Wahnsinn des Alltäglichen macht der Meister im Beobachten zu den Inhalten seiner Geschichten. Als Dauer-Geschichtenerzähler findet er seinen Ausgleich im schreibenden Berühren der kleinen Momente, die uns die Chance geben, uns selbst reinzulegen mit der Illusion, dass das Leben gar nicht so schlimm ist, wie es immer tut und doch ist. Die Baumeister-Texte sind Meisterwerke des Fragilen, Unfassbaren und Unberührbaren – weil es uns allen so nah ist, dadurch plötzlich auch fassbar, berührbar wird und Zeile für Zeile zu ganz sanften Umarmungen unserer wunden Punkte im Leben werden.
Thilo Mutter
Einer, der weiß, wo es hingeht mit seiner Schreiberei, solange die Leser bereit sind, ihm zu folgen. Einer der uns teilhaben lässt an einer Reise zu sich selbst. Sonst wie Baumeister in der Werbung zu Hause, wirft er in seinen Texten und Geschichten und bald auch in seinem Roman “Herr Volansky geht auf den Strich” ungewöhnlich intensive Blicke auf sich selbst. Doch nicht unmittelbar, sondern in seinen Figuren, die alle Projektionen sind wie ein Kinofilm auf der gegenüberliegenden Hauswand: Rauh, fatalistisch und realistisch. Mutter kontrapunktiert seine Sehnsucht nach der Selbstentdeckung mit einer Einladung an die Leser·innen, dies auch selbst zu tun.
Zum Verlag WORTPALAST
Keine·r der Autor·innen beim WORTPALAST sind hauptberufliche Schriftsteller·innen, sondern das Ergebnis einer sehr intensiven Schreibgruppe, die sich über eine Online-Plattform und dem Wunsch nach “Kreativem Schreiben” zusammengefunden und dann mehr daraus gemacht hat – den WORTPALAST, ein Verlag, der nachhaltig sein will – von den Charakteren in ihren Geschichten und Romanen über die Erzählweisen bis hin zur Produktion. So wird die Begrenzung auf zunächst 99 Exemplare pro Veröffentlichung zum Ausdruck eines umweltbewussten Umgangs mit Bäumen, Papier und Druckfarbe. Jedes weitere Exemplar kann auf expliziten Wunsch gedruckt werden. Gleichzeitig werden alle Bücher als eBook zur Verfügung gestellt.